Der Lösung auf der Spur

Der Lösung auf der Spur

Die Symrise Tochtergesellschaft Tesium plant von Holzminden aus neue Produktionsanlagen oder Umbauten für alle Symrise Standorte weltweit. Dabei setzen die Planer immer auf nachhaltige Lösungen und höchstmögliche Effizienz. Und da kein Projekt dem anderen gleicht, wächst mit jedem Plan auch der interne Wissensschatz.

Ohne Wolfgang Töws und seine Kollegen könnte Symrise nicht so wachsen, wie es das Unternehmen in den vergangenen Jahren getan hat. Der Projektingenieur von der Konzerntochtergesellschaft Tesium plant in seinem Büro in Holzminden Produktionsanlagen für die weltweiten Standorte des Konzerns. Die Arbeit ist hochkomplex, da sie von zahlreichen Spezialisten koordiniert werden muss – manchmal sind rund 30 Kollegen an einer Planung beteiligt. Die Gründe dafür: Bei internationalen Projekten werden oft andere technische Vorschriften und Gesetze angewendet, außerdem kommen abweichende kulturelle Prägungen der Menschen hinzu, die ein Vorhaben aufwändiger machen können.

Aber auch in der täglichen Arbeit sind die Herausforderungen groß. Wenn die Ingenieure zum Beispiel bestehende Fabriken erweitern müssen, haben sie oft nur begrenzten Bauraum zur Verfügung. Die Mitarbeiter nutzen dazu ein 3D-CAD-Programm, in das detailgenau hineingezoomt werden kann. Hier können auch dreidimensionale Scans der freien Bauplätze oder auch bestehender Anlagen eingepflegt werden.

Für die ganz besonderen Aufgaben reist Wolfgang Töws zudem auch rund um die Welt. „Wir haben zum Beispiel im Jahr 2019 die Kapazitäten des Menthol-Werks in Bushy Park in den USA verdoppelt und ich war selbstverständlich auch für mehrere Wochen vor Ort“, sagt der diplomierte Verfahrenstechniker, der seit Anfang 2001 bei Symrise tätig ist. „Unsere Aufgabe ist es, bei solchen Großprojekten die Fäden zusammen mit den Kollegen vor Ort in der Hand zu halten, die Mitarbeiter zu steuern und dafür zu sorgen, dass die technische Umsetzung perfekt gelingt.“

Der erfahrene Ingenieur ist einer von insgesamt 270 Mitarbeitern bei Tesium. Im Laufe seiner Karriere hat er an den verschiedenen Standorten von Symrise weltweit die lokalen Kollegen unterstützt. Er wendet dabei das Know-how an, das Tesium über Jahrzehnte für die Planung und den Bau der Anlagen aufgebaut hat. Aspekte wie Nachhaltigkeit, Energieversorgung, Anlagensicherheit, Instandhaltung oder Entsorgung hat das Unternehmen immer im Blick.

Einzigartige Prozesse

Die Mitarbeiter von Tesium sind vor allem bei den komplexeren Anlagen gefragt. „Jedes Segment ist bei uns für seine eigenen Werke verantwortlich und kann deswegen den Bau selbstständig vergeben“, sagt Carsten Teiwes. Im Gegensatz zum Aromen- oder Parfümeriebereich, in dem Rohstoffe vor allem extrahiert, sprühgetrocknet oder gemischt werden, benötigt der Bereich Chemische Produktion aufwändigere Anlagen, erklärt der Geschäftsführer von Tesium, der auch gleichzeitig die Infrastruktur am Standort Holzminden verantwortet. „Die Stoffe, die Symrise entwickelt und produziert, hat oft keine andere Firma in dieser Form im Portfolio. Deswegen wollen wir nicht nur die Entwicklung selbst vorantreiben, sondern auch die Produk­tionsprozesse optimieren und schützen, um diese Exklusivität zu sichern“, sagt Teiwes. „Auch deswegen übernehmen wir bestimmte Aufträge selbst.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Kosten für die Planung können bei einem eingespielten Prozess signifikant gesenkt werden.

270 Mitarbeiter arbeiten
bei Tesium

„Unsere Aufgabe ist es, bei […] Großprojekten die Fäden zusammen mit den Kollegen vor Ort in der Hand zu halten, die Mitarbeiter zu steuern und dafür zu sorgen, dass die technische Umsetzung perfekt gelingt.“

Wolfgang Töws,
Projektingenieur bei Tesium


„Jedes Segment ist bei uns für seine eigenen Werke verantwortlich und kann deswegen den Bau selbstständig vergeben.“

Carsten Teiwes,
Geschäftsführer von Tesium


„Eine gute Vorbereitung ist essenziell für uns.“

Andreas Knebel,
Verfahrensingenieur bei Tesium


„Unsere Aufgabe ist es, bei […] Großprojekten die Fäden zusammen mit den Kollegen vor Ort in der Hand zu halten, die Mitarbeiter zu steuern und dafür zu sorgen, dass die technische Umsetzung perfekt gelingt.“

Wolfgang Töws,
Projektingenieur bei Tesium


„Jedes Segment ist bei uns für seine eigenen Werke verantwortlich und kann deswegen den Bau selbstständig vergeben.“

Carsten Teiwes,
Geschäftsführer von Tesium


„Eine gute Vorbereitung ist essenziell für uns.“

Andreas Knebel,
Verfahrensingenieur bei Tesium

Die Mitarbeiter von Tesium nutzen ein 3D-CAD-­Programm, in dem zum Beispiel ­ganze Anlagen in ­einer dreidimensionalen Ansicht analysiert werden können.

Im Jahr 2019 wurden die Kapazitäten des Menthol-Werks in Bushy Park in den USA verdoppelt.

Im Jahr 2019 wurden die Kapazitäten des Menthol-Werks in Bushy Park in den USA verdoppelt.

Rund 30 Mitarbeiter ­können an der Planung
­eines Projekts beteilgt sein

Tesium baut die Großproduktionen nach dem Vorbild der Pilotanlagen, die in den Laboren erprobt wurden. Dabei geht die Unternehmenstochter in drei großen Schritten vor. Die Verfahrensingenieure entwerfen die Fließbilder, versehen sie mit Reaktoren, Heizungen, Pumpen und Destillationen. „Anschließend setzen Mitarbeiter diese noch ,groben’ Entwürfe um. Sie platzieren die Rohrleitungen, Messgeräte und alles weitere technische Equipment“, erklärt Teiwes. Im letzten Schritt bringt ein technischer Zeichner die Details ein, damit schließlich Schlosser auf der Baustelle die Rohre zusammenschweißen können. Der Aufwand ist groß: In manchen Anlagen werden auch mal 1.200 verschiedene Rohrleitungen geplant und verbaut. Sämtliche Planungsschritte werden dabei am Computer umgesetzt. „Wir erstellen einen digitalen Zwilling, der die Anlage dokumentieren kann und alle Infos bis ins kleinste Detail liefert“, sagt Teiwes, der die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt. Tesium ist darüber hinaus in der Lage, mit einer entsprechenden Simula­tionssoftware Prozesse in den Anlagen zu simulieren.

Neben den Ingenieuren schickt Tesium mittlerweile auch Mitarbeiter aus den Werkstätten in die Ferne, die darauf achten, dass die komplexen Pläne gut umgesetzt werden. Gleichzeitig bildet das Unternehmen lokale Mitarbeiter weiter, die immer mehr Aufgaben selbst übernehmen können. „Das Teamwork funktioniert bei uns auch interkontinental“, sagt Teiwes, der selbst zwölf Jahre in Mexiko und Venezuela gearbeitet hat. „Anders geht es auch nicht, weil wir immer stark auf die Kollegen vor Ort angewiesen sind. Sie haben das verfahrensspezifische Know-how.“

Jeder Standort hat seinen Wissensschatz

Dass das gegenseitige Lernen wichtig ist, bestätigt Andreas Knebel, der bei Tesium die gesamte Anlagenplanung leitet. Der Verfahrensingenieur, der seit 2001 im Unternehmen arbeitet, war in den vergangenen Jahren mehrfach in den USA. Seine nächste Aufgabe ist, dort auf Colonel Island ein Werk zu optimieren, das Symrise durch den Kauf des US-Unternehmens Pinova miterworben hat. „Den Prozess, mit dem dort aus Pinienholz nachhaltig ein wichtiger Duftstoff gewonnen wird, hatten wir vorher so noch nicht im Portfolio. Wir haben also viel vom Wissen der Kollegen profitiert, die sich seit Jahren mit den Verfahren beschäftigen.“

Zum Vorgehen gehört zum Beispiel auch, sich gemeinsam an der Anlage die Details anzuschauen und im Kleinen zu verbessern. Wenn Extraktions-, Destillations- und Mischprozesse aufeinanderfolgen, kann man etwa durch kleine Temperatur- oder Druckänderungen enorm viel erreichen. „Gemeinsam haben wir bei einem dieser Termine auch das Verfahren verändert, was den gesamten Prozess nachhaltiger macht und die Ausbeute vergrößert.“ Manchmal ist das gar nicht so einfach: In anderen Ländern werden andere Maße oder auch unterschiedliche Bauteile genutzt, worauf sich die Kollegen bei Tesium einstellen müssen. „Eine gute Vorbereitung ist essenziell für uns“, macht Knebel klar.

Dieses Wissen transferiert Tesium für Symrise auch auf Werke an anderen Standorten und macht so den Konzern insgesamt effizienter. Das Unternehmen hat zum Beispiel den Aufbau der Infrastruktur im Werk im chinesischen Nantong begleitet, dort nachhaltige Lösungen für die Abluft- und Abwasserbehandlung installiert. „Unsere Expertise war dort gefragt, ebenso wie in Russland, wo sich Tesium bei einem Flavor-Projekt um die Automatisierung und Steuerung gekümmert hat.“

Für die drei Mitarbeiter von Tesium sind die Ausflüge in die globale Struktur von Symrise also ein absolutes Muss. „Das Unternehmen wird immer internationaler“, sagt Carsten Teiwes. „Für uns bedeutet das, dass wir das Know-how sicher in den gesamten Konzern tragen müssen und gleichzeitig ständig auf dem neuesten Stand bleiben, was dort passiert. Und das kann man am besten, wenn man sich direkt an den jeweiligen Orten mit den lokalen Experten austauscht.“